Neuvergabe der Casinolizenzen in Österreich 2027 – ein Milliardendeal

In Wien laufen inzwischen hinter den Kulissen hektische Vorbereitungen. Mit Ende 2027 laufen in Österreich gleich mehrere Casinolizenzen aus.

Darunter sind die Lotterielizenz mit der daran gekoppelten Online-Plattform sowie die Konzessionen für mehrere Casinos in den Städten.

Die Frage, ob das bisher stark staatlich geprägte System erhalten bleibt oder (teil-) geöffnet wird, hat politische, wirtschaftliche und regionale Sprengkraft — erstmals geht es um Einnahmen in dreistelliger Millionen- bis hin zu Milliardenhöhe.


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Worum es genau geht

Die Neuvergabe der Casino-Lizenzen in Österreich umfasst diese beiden Themenschwerpunkte.

  • Welche Lizenzen stehen zur Neuausschreibung?
    Die Lotterie- und die damit verknüpfte Online-Konzession (derzeit win2day/Österreichische Lotterien) sowie die Konzessionen für mehrere Casinos (u. a. Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck, Bregenz) laufen 2027 aus; einige Standorte sind teils bis 2030 abgesichert. Der Staat muss also festlegen, ob und wie diese Pakete ausgeschrieben werden.
  • Monopol oder Marktöffnung?
    Österreich gehört zu den letzten EU-Ländern mit einem de-facto staatlich geprägten Online-Monopol: aktuell ist nur win2day (Österreichische Lotterien) legaler Betreiber für Online-Casino-Angebote. Die Regierung verhandelt derzeit über einen Gesetzesentwurf — das Finanzministerium favorisiert nach Medienberichten eher eine Stabilisierung des Monopols mit striktem Spielerschutz, während die liberalen NEOS eine kontrollierte Marktöffnung mit mehreren Lizenzen fordern.

Wer sind die wichtigsten Akteure — und was wollen sie?

  • Finanzministerium (SPÖ / Markus Marterbauer):
    Das Finanzministerium arbeitet an einem Gesetzesentwurf, in dem Spielerschutz große Priorität hat und der das Monopol weitgehend zementieren würde. Finanzminister Markus Marterbauer betont (laut Medien), dass Schutzmaßnahmen gegen die Illegalität und strengere Limits im Vordergrund stünden.
  • NEOS:
    Die Neos plädieren für eine Marktöffnung und argumentieren, dass mehrere Lizenzen den illegalen Markt verdrängen und die Staatseinnahmen deutlich erhöhen könnten. Sie sehen in einer (teilweisen) Liberalisierung zugleich eine Chance, Mehreinnahmen zu generieren.
  • Casinos Austria / Österreichische Lotterien / win2day / Allwyn:
    Die bestehende Konzessionsstruktur liegt überwiegend bei der teilstaatlichen Casinos Austria-Gruppe und den Österreichischen Lotterien (win2day). Internationale Investoren wie der tschechische Konzern Allwyn (Mehrheitseigentümer bei Casinos Austria) bereiten sich laut Berichten ebenfalls auf die Neuvergabe vor. Die bisherigen Rechteinhaber haben naturgemäß ein Interesse an Bestandswahrung.
  • Regionale Interessen & Betreiber kleinerer Spielbanken:
    Regionale Casinos (Velden, Zell am See, Kitzbühel, Seefeld, Kleinwalsertal u. a.) warnen, dass geplante Steuererhöhungen oder strengere Konzessionsbedingungen das wirtschaftliche Fundament gefährden und zu Standortschließungen führen könnten. Eine Übersicht zu möglichen Gefährdungen regionaler Standorte finden Sie hier.

Welche Summen stehen im Raum?

Mehrere Studien und Marktanalysen werden in der Debatte zitiert — die Spanne ist groß und hängt wesentlich davon ab, ob der Markt geöffnet oder monopolisierend reguliert wird:

  • Status-quo / restriktiver Entwurf: laut Branchenanalyse könnten die kumulierten Steuereinnahmen aus Online-Gaming im Zeitraum 2026–2031 von rund 901 Mio. Euro auf etwa 600 Mio. Euro sinken.
  • Teilöffnung (mehrere Lizenzen): In einem liberaleren Szenario werden ca. 1,66 Mrd. Euro (für 2026–2031) genannt; eine noch umfassendere Liberalisierung mit mehr Lizenzen wird in einigen Szenarien mit bis zu 1,88 Mrd. Euro an Steuereinnahmen beziffert. Diese Zahlen werden u. a. in Detailanalysen und in Berichten des KURIER diskutiert.

Zusätzlich diskutiert die Regierung bereits Fiskalmaßnahmen wie höhere Glücksspielabgaben (Beispiel: Anhebung der Wettgebühr), die kurzfristig Haushaltsentlastung bringen sollen — in Medienberichten werden konkrete jährliche Mehreinnahmen für den Staat genannt.

Politische und rechtliche Herausforderungen

  • Zeitdruck und Vergabeverfahren: EU-weite Ausschreibungen brauchen Vorlauf — Fristen, Einspruchsrechte unterlegener Bieter und mögliche Klagen machen den Prozess langwierig. Deshalb wird offen über eine temporäre Verlängerung bestehender Konzessionen nachgedacht, um Übergangsrisiken zu dämpfen.
  • Spielerschutz vs. Kanalisation: Während das Finanzministerium auf starke Beschränkungen (niedrigere Einsatzlimits, geringere Maximalgewinne, Sperrsysteme, DNS-/Payment-Blocking) setzt, warnen Branchenforscher, dass ein zu unattraktives legales Angebot Spieler in die Illegalität treiben könnte — und damit Steuern entgehen. Experten verweisen zudem auf die begrenzte Wirksamkeit von DNS- und Payment-Blocking.
  • Europarechtliche Aspekte: Jede Ausschreibung muss EU-Vergaberichtlinien respektieren; rechtliche Einsprüche sind zu erwarten — das erhöht die Komplexität und die Dauer des Prozesses.

Regionale Folgen: Schließungsgefahr für Standorte

Berichte aus der Branche und regionale Medien warnen, dass Steuererhöhungen und strengere Auflagen insbesondere kleinere Tourismus-Casinos hart treffen könnten — in Einzelfällen wird bereits über drohende Schließungen diskutiert. Eine Bestandsaufnahme regionaler Risiken legt zum Beispiel dieser Beitrag dar.

Wie geht es mit den Lizenzen für Österreichs Casinos weiter?

Politisch bleibt es eng: die Koalitionspartner streiten über das Ausmaß der Marktöffnung, ein Gesetzesentwurf liegt vor und soll in den nächsten Monaten verhandelt werden.

Wegen der langen Vorlaufzeiten für EU-Ausschreibungen müssen Entscheidungen bald fallen — andernfalls droht die provisorische Verlängerung bestehender Konzessionen als Notlösung. Beobachter rechnen mit heftigen Lobbykämpfen der Branche und mit gerichtlichen Auseinandersetzungen der Unterlegenen.

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