Zum Jahresende schaut die GGL beim jährlichen Glücksspielkongress auf die anstehende Evaluierung des Glücksspielmarkts und befindet: Datenqualität geht vor Schnelligkeit.
Zusammenfassung: Die GGL setzt auf Methodik und Datenqualität statt auf Schnellschüsse.
Für Entwickler, Betreiber und Beobachter des Markts bedeutet das: Stabilere, später folgende Zahlen — mit dem Ziel, Regulierungsentscheidungen langfristig zu fundieren.
Gleichzeitig bleiben die hohen Fallzahlen problematischer Spielender und die Zahl betroffener Kinder mahnende Größen, die zeigen, warum die Qualität der Datenanalyse für Politik und Branche von unmittelbarer Bedeutung ist.
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Auf dem Deutschen Glücksspielkongress (Online-Gaming Summit Europe) hat Ronald Benter, Vorstand der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL), am 9. Dezember den Stand der Dateninfrastruktur und die Folgen für Regulierung und Spielerschutz dargestellt.
Sein zentrales Anliegen: Bevor schnelle Auswertungen veröffentlicht werden, müssen die Daten verlässlich, vergleichbar und valide sein.

Benter betonte, die GGL sei eine junge Behörde und habe innerhalb kurzer Zeit eine technisch anspruchsvolle Dateninfrastruktur aufgebaut.
Diese Systeme funktionierten, befänden sich jedoch «in einem typischen Reifeprozess»: Stabilisierung, Validierung und Harmonisierung stünden vor der vollständigen Nutzung der Daten für belastbare Analysen.
„Die GGL ist eine junge Behörde. Innerhalb von nur zwei Jahren haben wir Systeme aufgebaut, die in dieser Form in Deutschland – und vielleicht auch international – einzigartig sind“, erklärte Benter.
Benter machte deutlich, dass es nicht um Geschwindigkeit auf Kosten der Qualität gehe:
„Es geht nicht darum, möglichst schnell irgendwelche Daten zu veröffentlichen. Es geht darum, sie verlässlich zu machen.“
Unsaubere oder unvalidierte Daten könnten zu falschen Trends, Missverständnissen oder politischen Fehlentscheidungen führen.
Deshalb verfolge die GGL die Priorität „Qualität vor Geschwindigkeit“ sowie Vergleichbarkeit über die Zeit.
Trotz des laufenden Reifeprozesses beurteilte die GGL den legalen Markt als insgesamt stabil.
Technische Aufsichtssysteme liefen, Verstöße würden erkannt, und die Zusammenarbeit zwischen Ländern, Wissenschaft und Industrie sei konstruktiv.
Benter nannte zudem eine Schätzung, wonach inzwischen mehr als drei Viertel des Online-Glücksspiels in einem regulierten, beaufsichtigten Markt stattfinden.
Ein Indikator dafür, dass Kanalisierungsmaßnahmen Wirkung zeigen.
Zur Einordnung des Problems verwiesen Fachberichte und Medien zugleich auf deutlich spürbare Schadensindikatoren.
Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland rund 1,4 Millionen Erwachsene mit einer Glücksspielabhängigkeit kämpfen. Weitere 3,5 Millionen werden als gefährdet eingestuft.
Zusätzlich gibt es laut Berichten etwa 350.000 selbstexkludierte Spieler. Diese Zahlen stammen aus aktuellen Branchenberichten und Zusammenfassungen im Vorfeld der Evaluierung 2026.
Das bedeutet: selbst bei einer konservativen Hochrechnung ist Glücksspielschaden kein Randphänomen, sondern eine gesellschaftlich relevante Herausforderung.
Die gleiche Quelle nennt zudem, dass rund 600.000 Kinder in Haushalten aufwachsen, in denen ein Elternteil ein problematisches Spielverhalten oder eine Spielsucht hat — ein sozialpolitisch besonders sensibles Signal.
Ergänzend liefert der Glücksspiel-Survey 2023 ausführliche Befunde zur Teilnahme und zu Störungsprävalenzen.
Nach dieser Studie liegt die 12-Monats-Prävalenz für die Spielteilnahme bei verschiedenen Spielarten zwischen einzelnen Werten (etwa LOTTO 6aus49: ~19,8 % in den letzten 12 Monaten).
Die Prävalenz einer Glücksspielstörung (DSM-5-basiert) lag 2023 bei rund 2,4 % der 16–70-Jährigen. Diese Ergebnisse liefern eine valide Grundlage, um Anteilswerte in Relation zur Gesamtbevölkerung zu setzen.
Zur Größenordnung: Bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 83,6 Millionen (Zahlenstand Ende 2024) entspricht eine 12-Monats-Prävalenz von rund 36,5 % (Angabe aus Survey-Ergebnissen für die relevanten Altersgruppen) grob 30,5 Millionen Menschen, die innerhalb eines Jahres zumindest einmal an Glücksspielangeboten teilgenommen haben — eine vereinfachte Hochrechnung und deshalb mit dem Vorbehalt, dass die Survey-Prävalenzen auf die Altersgruppe 16–70 bezogen sind.
Vor diesem Hintergrund begründet die GGL ihren wachsamen, datenbasierten Ansatz: Nur valide Daten erlauben es, die Wirksamkeit von Spielerschutzmaßnahmen, Werbebeschränkungen und Kanalisierungsstrategien korrekt zu evaluieren.
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Benter unterstrich die enge Zusammenarbeit mit den Ländern und der Wissenschaft, um methodisch saubere Auswertungen vorzubereiten.
„Wir alle sollten auf Grundlage von Daten entscheiden – nicht aufgrund von selektiven Wahrnehmungen, Einzelinteressen oder kurzfristigen Emotionen“, so Benter.
Die GGL hat die startende Evaluierungsphase 2026 des Glücksspielstaatsvertrags angekündigt — mit wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit von Spielerschutzmaßnahmen, Werbung sowie Kanalisierung und Schwarzmarkt.
Benter machte klar, dass Ergebnisse erst veröffentlicht würden, wenn die zugrundeliegenden Daten fundiert und valide sind.
Ab 2027 sollen Auswertungen verstärkt auf Daten aus den sogenannten Safe-Servern zurückgreifen, wodurch eine präzisere, objektivere und datengetriebene Evaluierung möglich werden soll.
Ziel sei ein modernes Regulierungssystem, das Spielerschutz konsequent umsetzt und gleichzeitig einen starken legalen Markt ermöglicht.
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