Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat im März 2026 die Studie „Untersuchung des Schwarzmarktes und der Kanalisierung von Glücksspielen im Internet anhand einer Befragung von Glücksspielenden“ vorgestellt.
Kernaussage: Der Großteil des Online-Glücksspiels in Deutschland findet im regulierten Markt statt. Aber: Stimmen die Zahlen der GGL wirklich?
Grundlage dieser Zahlen ist eine Befragung von rund 2.000 Glücksspielenden mit über 4.000 Anbieter-Nennungen. Dabei zeigt sich:
Der unregulierte Markt wird damit auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich geschätzt.
Die GGL bewertet die Ergebnisse als Bestätigung ihres regulatorischen Ansatzes. Die Behörde sieht sich in ihrer Strategie gestärkt, legale Angebote attraktiv zu halten und gleichzeitig gegen illegale Anbieter vorzugehen.
Im Fokus steht ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur die Anbieter selbst, sondern auch deren Infrastruktur ins Visier nimmt:
Ziel ist es, die wirtschaftliche Grundlage illegaler Angebote systematisch zu schwächen und deren Reichweite zu reduzieren.
Wie dieser Kampf konkret aussieht, zeigt sich auf operativer Ebene bei Polizei und Behörden. Beispielhaft sind koordinierte Kontrollen, etwa durch Polizei, Zoll und kommunale Ämter.
Dabei kommt es regelmäßig zu:
Allein in einem dokumentierten Fall wurden 85 illegale Geräte vernichtet. Die Behörden betonen, dass solche Maßnahmen fortgesetzt und intensiviert werden sollen. Der Vollzug arbeitet dabei zunehmend vernetzt und datenbasiert.
Ein deutlich kritisches Gegenbild zeichnet der Branchenvertreter Simon Springer in einem offenen Brief an Politik, Öffentlichkeit und Glücksspielindustrie.
Seine zentralen Vorwürfe:
Springer fordert einen grundlegenden Kurswechsel und stellt die derzeitige Ausrichtung der Behörde infrage. Seine Argumentation ist jedoch vor allem politisch und normativ – eine eigene empirische Analyse legt er nicht vor.
Die entscheidende Frage ist: Wie verlässlich ist die 23%-Schätzung?
Ein Blick in die Methodik zeigt mehrere Einschränkungen:
Die Studie basiert auf einer Panelbefragung und ist nicht vollständig repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.
Die Daten beruhen auf Erinnerungen und Selbstauskünften:
Die Umrechnung in Marktanteile und Umsätze erfolgt über Modelle, die sensibel auf Annahmen reagieren.
Für viele Nutzer ist nicht immer klar, ob ein Anbieter tatsächlich lizenziert ist – was die Daten zusätzlich verzerren kann.
Die Autoren selbst empfehlen daher:
Die GGL-Studie liefert einen wichtigen Beitrag zur Quantifizierung des Schwarzmarkts im Online-Glücksspiel. Sie zeigt plausibel, dass illegale Angebote einen relevanten, aber nicht dominierenden Anteil haben.
Gleichzeitig bleibt die zentrale Kennzahl von rund 23 Prozent eine Annäherung, keine exakte Messung.
Der offene Brief von Simon Springer macht deutlich, dass die Interpretation dieser Zahlen politisch umkämpft ist. Während die GGL ihre Strategie bestätigt sieht, warnt die Branche vor Fehlsteuerung.
Die Realität dürfte – wie so oft – dazwischen liegen. Der Schwarzmarkt ist groß genug, um ernst genommen zu werden, aber zu komplex, um ihn mit einer einzelnen Studie abschließend zu vermessen.
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