Wie belastbar ist die neue Schwarzmarkt-Studie der GGL?

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat im März 2026 die Studie Untersuchung des Schwarzmarktes und der Kanalisierung von Glücksspielen im Internet anhand einer Befragung von Glücksspielenden vorgestellt.

Kernaussage: Der Großteil des Online-Glücksspiels in Deutschland findet im regulierten Markt statt. Aber: Stimmen die Zahlen der GGL wirklich?


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Zentrale Ergebnisse der GGL-Studie

Grundlage dieser Zahlen ist eine Befragung von rund 2.000 Glücksspielenden mit über 4.000 Anbieter-Nennungen. Dabei zeigt sich:

  • 20,3 % der Anbieter-Nennungen entfallen auf nicht lizenzierte Plattformen
  • 22,4 % der Einsätze werden dort getätigt
  • 22,97 % der Verluste entstehen im Schwarzmarkt

Der unregulierte Markt wird damit auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich geschätzt.

Interpretation durch die GGL: Regulierung wirkt

Die GGL bewertet die Ergebnisse als Bestätigung ihres regulatorischen Ansatzes. Die Behörde sieht sich in ihrer Strategie gestärkt, legale Angebote attraktiv zu halten und gleichzeitig gegen illegale Anbieter vorzugehen.

Im Fokus steht ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur die Anbieter selbst, sondern auch deren Infrastruktur ins Visier nimmt:

  • Zahlungsdienstleister
  • Software- und Spieleentwickler
  • Marketingkanäle und Affiliate-Netzwerke

Ziel ist es, die wirtschaftliche Grundlage illegaler Angebote systematisch zu schwächen und deren Reichweite zu reduzieren.

Der Kampf gegen den Schwarzmarkt in der Praxis

Wie dieser Kampf konkret aussieht, zeigt sich auf operativer Ebene bei Polizei und Behörden. Beispielhaft sind koordinierte Kontrollen, etwa durch Polizei, Zoll und kommunale Ämter.

Police Polizei illegales Glücksspiel

Dabei kommt es regelmäßig zu:

  • Schließungen illegaler Spielstätten
  • Beschlagnahmung und Vernichtung von Spielautomaten
  • Einziehung von Bargeld und Vermögenswerten
  • Ermittlungsverfahren gegen Betreiber

Allein in einem dokumentierten Fall wurden 85 illegale Geräte vernichtet. Die Behörden betonen, dass solche Maßnahmen fortgesetzt und intensiviert werden sollen. Der Vollzug arbeitet dabei zunehmend vernetzt und datenbasiert.

Kritik aus der Branche: Der offene Brief von Simon Springer

Ein deutlich kritisches Gegenbild zeichnet der Branchenvertreter Simon Springer in einem offenen Brief an Politik, Öffentlichkeit und Glücksspielindustrie.

Seine zentralen Vorwürfe:

  • Die GGL agiere übermäßig repressiv
  • Legale Anbieter würden unverhältnismäßig stark reguliert
  • Der Schwarzmarkt profitiere indirekt von dieser Politik

Springer fordert einen grundlegenden Kurswechsel und stellt die derzeitige Ausrichtung der Behörde infrage. Seine Argumentation ist jedoch vor allem politisch und normativ – eine eigene empirische Analyse legt er nicht vor.

Wie belastbar sind die GGL-Zahlen wirklich?

Die entscheidende Frage ist: Wie verlässlich ist die 23%-Schätzung?

Ein Blick in die Methodik zeigt mehrere Einschränkungen:

  1. Keine Repräsentativität

Die Studie basiert auf einer Panelbefragung und ist nicht vollständig repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

  1. Selbstangaben der Befragten

Die Daten beruhen auf Erinnerungen und Selbstauskünften:

  • mögliche Fehlangaben
  • Rundungseffekte
  • Ermüdung bei längeren Befragungen
  1. Modellabhängige Schätzungen

Die Umrechnung in Marktanteile und Umsätze erfolgt über Modelle, die sensibel auf Annahmen reagieren.

  1. Schwierige Abgrenzung „legal vs. illegal“

Für viele Nutzer ist nicht immer klar, ob ein Anbieter tatsächlich lizenziert ist – was die Daten zusätzlich verzerren kann.


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Die Autoren selbst empfehlen daher:

  • Kombination mehrerer Methoden (Triangulation)
  • Wiederholte Erhebungen
  • Weiterentwicklung der Datengrundlage

Zwischen politischer Botschaft und empirischer Annäherung

Die GGL-Studie liefert einen wichtigen Beitrag zur Quantifizierung des Schwarzmarkts im Online-Glücksspiel. Sie zeigt plausibel, dass illegale Angebote einen relevanten, aber nicht dominierenden Anteil haben.

Gleichzeitig bleibt die zentrale Kennzahl von rund 23 Prozent eine Annäherung, keine exakte Messung.

Der offene Brief von Simon Springer macht deutlich, dass die Interpretation dieser Zahlen politisch umkämpft ist. Während die GGL ihre Strategie bestätigt sieht, warnt die Branche vor Fehlsteuerung.

Die Realität dürfte – wie so oft – dazwischen liegen. Der Schwarzmarkt ist groß genug, um ernst genommen zu werden, aber zu komplex, um ihn mit einer einzelnen Studie abschließend zu vermessen.

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