Sexuelle Belästigung im Metaverse

Sexuelle Belästigung stellt nicht nur in der realen Welt ein großes Problem dar. Diese Form der Belästigung ist eine strafbare Zuwiderhandlung. Dennoch finden Kriminelle immer wieder neue Wege um ihre Schikane fortzuführen – diesmal betreten sie dafür sogar die virtuelle Welt.

Ende letzten Jahres wurde die Entwicklerin Nina Jane Patel von einer Gruppe von Männern umzingelt und sexuell belästigt. Der wiederholte Widerstand der Entwicklerin blieb erfolglos. Der Fall dieser gesetzwidrigen Belästigung endete ohne Anzeige und ohne jegliches Gerichtsverfahren und das obwohl Patel die Täter und ihre Gesichter kannte; der Fall fand nämlich im Metaverse statt.

Der Fall Nina Jane PatelWoman in Metaverse Oculus

Patel ist eine Wissenschaftlerin aus Großbritannien, welche momentan an ihrer Doktorarbeit zu dem Thema physiologische und psychologische Auswirkungen des Metaverse arbeitet.

Für ihre Doktorarbeit war sie gerade mit der Recherche im Virtual Reality Spiel Horizon Venues beschäftigt, als sie plötzlich sexuell belästigt wurde. Ihren Avatar gestaltete die junge Frau genau nach ihrem Vorbild. Das VR Spiel erlaubt es Spieler:innen verschiedene Welten zu erstellen und innerhalb dieser mit anderen Mitspieler:innen zu interagieren.

Während Patel die Inhalte des Spieles erschließen wollte, wurde sie urplötzlich von der Gruppe angegriffen. Die einzelnen Mitglieder der Gruppe hatten männliche Stimmen und sind in der realen Welt ebenfalls dem männlichen Geschlecht zugehörig. Die Gruppe begann die Frau sexuell zu belästigen, indem diese den Avatar der Frau gegen ihren Willen betatschten und dabei Selfies machten. Teil dieses unangebrachten Verhaltens waren ebenfalls anstößige Kommentare.

Obwohl Patel umgehend ihre Oculus Quest VR Brille vom Kopf riss, konnte sie dennoch unmögliche Kommentare, wie „Tu nicht so, als hätte es Dir nicht gefallen!“, hören.

Dieser Vorfall im Metaverse war ein schockierendes Ereignis für Patel, welches die Entwicklerin erst einmal realisieren und verarbeiten musste. Zu Beginn wollte die junge Frau das Ereignis beziehungsweise die Gruppe als Verrückte im Internet abtun. Das Problem war jedoch deutlich schwerwiegender und ernster als das, da es nicht nur irgendein unangebrachter Kommentar war, sondern eine Gruppe von Männern, die mit ihr den Raum teilten und sie aktiv darin angriffen.

Patels Fall ist keine Ausnahme

Nachdem die Wissenschaftlerin ihre Recherche zu ebenjenem Ereignis wieder aufnahm, stellte sie rasch fest, dass dieses absolut keine Ausnahme ist. Belästigung im Internet ist weder eine Seltenheit, noch ist es eine Neuheit. Sie fand schnell zahlreiche Meldungen, in welchen unzählige Opfer über verbale und physische Belästigungen in Virtual Reality Spielen berichteten. Diese Vorkommnisse zeigen, dass die aktuellen Gesetzgebungen dringend um Gesetze und Regelungen für den virtuellen Raum ausgeweitet werden müssen, besonders in Hinsicht auf das große Wachstum der VR Angebote und des Metaverse.

Der erste gemeldete Fall von sexueller Belästigung in Videospielen geht sogar auf das Jahr 1994 zurück. Einem Spieler unter dem Namen Mr.Bungle gelang es mit Hilfe eines Unterprogramms Mitspielenden in dem Spiel LambdaMOO Beschreibungen von sexuellen Handlungen zu schicken und diese damit zu belästigen.

Dieser Fall zeigt, dass das Problem der Belästigung bereits seit vielen Jahren besteht. Im Zuge der wachsenden Beliebtheit von VR Spielen, wird auch die Häufigkeit dieses Problems immer weiter zunehmen. Daher ist es absolut wesentlich, dass die strafrechtliche Gesetzeslage ebenfalls für den virtuellen Raum gilt und rechtliche Schritte gegen alle Formen der Belästigung im Internet und im Metaverse eingeleitet werden können.

Patel steht dafür ein, dass die Regierung schleunigst einen rechtlichen Rahmen für ebenjene Vorkommnisse stellt, sodass Belästigungen im Internet keinen Platz haben. Jegliche Art der Belästigung hinterlässt schwerwiegende psychische Folgen. Daher ist es absolut wichtig hier schnell zu handeln, damit das Spielen in VR Räumen wieder sicherer wird.