Kann ein Influencer wie MontanaBlack Vorbild sein, weil er ehrlich ist, oder kann er es nicht sein, weil sein Verhalten im Straßenverkehr gefährlich ist?
In Zeiten von Social Media gewinnen Influencer immer mehr an Macht über die Meinungen und das Verhalten ihrer Follower.
Die Frage, ob Influencer als moralische Vorbilder dienen können, wird deshalb kontrovers diskutiert. Nehmen wir als Beispiel den deutschen Twitch- und YouTube-Star Marcel „MontanaBlack“ Eris, dessen Haltung zu Tempovergehen im Straßenverkehr immer wieder für Schlagzeilen und empörte Reaktionen sorgt.
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Immer wieder gibt MontanaBlack in seinen Livestreams zu, deutlich schneller zu fahren, als erlaubt.
So offenbart er in einem Stream, dass er innerorts in 50er-Zonen oft mit etwa 70 km/h unterwegs ist und auf der Autobahn regelmäßig 10–20 km/h über dem Limit fährt.
Dabei betont er, ihm sei egal, ob er Ärger bekomme, da die Strafen kein Fahrverbot zur Folge hätten .
Eine Szene, in der er auf der linken Spur eine Toyota-Fahrerin mit nur 130 km/h bemängelt und sie dann überholt, führte sogar zu einer Anzeige bei der Führerscheinstelle.
Der Streamer-Stammtisch reagierte entsetzt: Er würde sich und andere gefährden, rügten Zuschauer und Kollegen wie Staiy, der ihn aufforderte, dieses Verhalten zu unterlassen .
Er gibt öffentlich damit an regelmäßig Menschenleben zu gefährden. Wann bekommt der endlich mal Konsequenzen zu spüren? pic.twitter.com/R2dBdSWvCK
— Mio (@161mio) October 1, 2024
Seine Aussagen stoßen nicht nur bei Followern auf Unverständnis. Der GTA-RP-Streamer Justus „GTA-Anwalt“ Henker erstattete Anzeige, weil er in Montas Clip eine mögliche Nötigung im Straßenverkehr sah .
Auch andere Nutzer fordern, Strafgelder proportional zum Einkommen zu staffeln, damit Top-Verdiener wie MontanaBlack spürbar zur Kasse gebeten werden könnten.
Gegner werfen ihm vor, das System der Verkehrssicherheit bewusst zu unterlaufen und öffentlich mit Regelbrüchen zu kokettieren.
Befürworter seiner Transparenz argumentieren hingegen, Ehrlichkeit sei anzuerkennen – doch rechtfertige sie nicht das gefährliche Verhalten.
Viel diskutiert wird, ob Ehrlichkeit eines Influencers überwiegt oder ob er für sein Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen werden muss. Ehrlichkeit kann Vertrauen schaffen und authentisch wirken, doch im Straßenverkehr kann sie Leben gefährden.
Die Frage bleibt: Wiegt die Offenheit schwerer als die Verantwortung für die eigene Vorbildwirkung?
Rechtlich profitieren Personen wie MontanaBlack von laschen Bußgeldern und fehlenden Fahrverboten bei geringfügigen Tempoüberschreitungen.
Moralisch betrachtet jedoch sendet die konsequenzfreie Ehrlichkeit das falsche Signal: Überhöhte Geschwindigkeit darf nicht verharmlost werden.
Neben seinem Autoverhalten geriet MontanaBlack auch durch seine Casino-Streams in die Kritik.
In den Jahren 2018–2020 warf man ihm vor, nicht gekennzeichnete Werbung für Online-Casinos zu betreiben und jungen Zuschauern Glücksspiel näherzubringen. Später räumte er ein, die Casino-Werbung sei ein Fehler gewesen und bereute seine Streaming-Inhalte in diesem Bereich.
Noch deutlicher wurde sein Sinneswandel im Mai 2025, als er in einem Livestream eindringlich vor Glücksspielen warnte und Fans aufforderte, nie wieder in Casinos zu gehen. Man darf davon ausgehen, dass hier vor allem seine mehrheitlich minderjährigen Fans gemeint waren.
Diese Entwicklung zeigt, dass Influencer durchaus ihre Haltung ändern und Verantwortung übernehmen können.
MontanaBlack verkörpert beide Extreme: Er ist ehrgeizig transparent, zugleich aber verantwortungslos. Seine Offenheit verdient Respekt, doch sie entbindet ihn nicht von seiner Vorbildfunktion.
Influencer können Vorbilder sein, wenn sie sich ihrer Reichweite und der Wirkung ihrer Worte bewusst sind und Konsequenzen aus ihrem Verhalten ziehen. Ehrlichkeit allein reicht nicht – sie muss gepaart sein mit Verantwortungsbewusstsein, um langfristig positiv zu wirken.
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